The Sound of Silence

Samstag Nachmittag, 16 Uhr. Die Familie ist ausgeflogen. Irgendein Geburtstag im Kreise der Verwandschaft, auf den ich keine Lust hatte und mich daher erfolgreich gedrückt habe. Klingt egoistisch und hart, ich weiß. Aber ich bin da mittlerweile echt konsequent. Will ich nicht, mach ich nicht! So einfach ist das. Und glaubt mir, diese Einstellung schont die Nerven ganz gewaltig ;-)

Der Wochenendeinkauf ist ebenfalls bereits erledigt, Vorratskammer und Kühlschrank gefüllt mit allerlei nötigen und auch manch unnötigen Leckereien. Abgehakt. Fertig. Check.

Ach ja, und im Autohaus war ich auch noch, da unsere Karre nicht mehr anspringen will. Ein Marder fand es wohl im Motorraum gemütlicher als draußen und hat so nebenbei einige Kabel angeknabbert. Stirb, Du Mistvieh! Jedenfalls ist jetzt irgendein elektronisches Steuerteil hinüber. Und wie das bei den modernen Autos so ist: Elektronik am Arsch und nichts geht mehr. Früher konnte man(n) wenigstens noch schrauben. Ich kenne mich da ja so gut wie gar nicht aus, und das Ersatzteil war natürlich auch nicht vorrätig, aber egal. Immerhin traue ich mir den Einbau selbst zu, nachdem ich letzte Nacht stundenlang im strömenden Regen neben dem gelben Engel vom ADAC stand und ihm über die Schulter schauen durfte.

Theoretisch könnte ich jetzt also in aller Ruhe eine Kamera schnappen, und fotografieren gehen. Aber ganz ehrlich: Darauf habe ich heute keine Lust, zumal das Wetter da draußen eh nur grau in grau ist. Nichts mit goldenem Herbst. Schweinekalt und feucht. Nee, lass mal, da bleib ich lieber zu Hause, trinke eine schöne Tasse Tee und blättere mich durch den ein oder anderen Bildband großartiger Kollegen. Inspiration pur, ich liebe sowas.

Einfach mal die Ruhe und das süße Nichtstun genießen. Herrlich. Niemand kann immer nur mit Vollgas über die Überholspur brettern, manchmal ist es besser mal nur zu cruisen!

In diesem Sinne wünsche ich Euch ein wundervolles Wochenende.

Euer Pakami

Soundtrack:

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Supernaiv im Superlativ

Traurig, aber wahr: Die folgenden Ergüsse menschlicher Intelligenz diverser Mitmenschen musste ich in den letzten Jahren teilweise mehrfach erleben. Geiles Fotografenleben …

„Naja, mit der Kamera könnte ich auch tolle Fotos machen!“

„Meine überflüssigen Pfunde kannst Du ja dann einfach weg retuschieren!“

„Ach komm, Dein Job ist doch geil: Bissel auf den Auslöser drücken und danach die Models bumsen!“

„Photoshop wird´s richten!“

„Also das kann mein Handy auch!“

„Fotografie ist nichts mehr wert!“

„Hey, ich bin auch Fotograf! Hast Du nen Tipp für mich, welche Kamera ich mir kaufen soll?“

„Ha, meine Kamera hat mehr Megapixel als Deine!“

„Du kannst mir einfach die RAW´s geben, ich bearbeite die dann selbst nach!“

„Das stört Dich doch nicht, wenn Du quasi nebenher ein paar Bilder machst. Bist ja eh als Gast eingeladen!“

„So viel Geld dafür, dass Du hier bissel knipsen kannst?“

„Wenn ich erstmal berühmt bin, wirst Du Dich vor Aufträgen nicht mehr retten können!“

„Alle Regler auf Automatik, die Kamera macht den Rest!“

„Ach komm, ob Du jetzt acht oder zwölf Stunden bei uns fotografierst ist doch egal!“

„Das Bild ist aber nicht scharf!“

„Dein Geld bekommst Du nächste Woche!“

„Der Schwager meines Kumpels macht mir das aber umsonst!“

„Schwarz-Weis ist doch voll von gestern!“

„Und was machst Du so den ganzen Tag?“

„Mit den heutigen Kameras könnte doch jeder Schimpanse schöne Bilder machen!“

„Dir geht doch bestimmt einer ab, wenn sich die Mädels vor Dir ausziehen!“

 

 

Life is what happens to you…

…while you´re busy making other plans. (John Lennon)

Ist so. Da muss ich mich dem guten John voll und ganz anschließen. Genau das hat mich mein Leben in den letzten Jahren sehr deutlich gelehrt und genau das führte unter anderem zu der besonderen Art der -wie ich sie nenne- entschleunigten Fotografie, die ich aktuell so schätze und genieße. Unsere Tage sind von vorne bis hinten geplant und so präzise strukturiert wie ein Schweizer Uhrwerk. Termine, Meetings, sogar der Gang in das Fitnessstudio folgt lieber festen Zeiten statt dann zu erfolgen, wenn Dein Körper Dir signalisiert dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre. Eigentlich kein Wunder, dass so oft der innere Schweinhund als Sieger aus dieser Runde hervorgeht, und so hetzen wir von Termin zu Termin, nur um dann Abends völlig platt auf dem Sofa zu liegen und sich mit meist sinnfreier seichter Unterhaltung aus dem Fernsehgerät berieseln zu lassen. Zu akribisch festgelegter Zeit ist dann Bettruhe, damit wir morgen fit genug für einen weiteren Tag im großen Hamsterrad des Lebens sind. Herzlichen Glückwunsch.

Doch Gott sei Dank gibt es da diese kleinen Momente, diese ungeplanten Momente, die Dir das Schicksal zuspielt und die Deine Welt für einige Zeit komplett aus den Angeln heben. Diese wunderbaren Momente, von denen man wünscht, sie mögen nie enden und von denen man noch so lange hinterher zehren kann. Diese Momente, in denen die Zeit still zu stehen scheint.

Unlängst hatte ich wieder einen dieser magischen Momente, als völlig überraschend eines Abends mein Patenonkel vor der Tür stand, und wir uns bei einigen Bieren und stundenlangen Gesprächen komplett in den Erinnerungen verloren, die durch eine große Kiste mit ganz vielen, teilweise über 100 Jahre alten Familienfotos hervorgerufen wurden.

U-n-b-e-z-a-h-l-b-a-r.