Face your fears

Da sitze ich nun also. Ich und mein großes Maul Mundwerk. In einem Fahrgeschäft mitten auf dem Festplatz unserer Kerwe. 14 Meter über dem sicheren Erdboden. 14 Meter, das ist für jemanden wie mich, der ich unter extremer Höhenangst leide und schon beim besteigen einer Haushaltsleiter mittelschwere Panikattacken bekomme, deutlich zu hoch. Der Wind pfeift wild um meine Ohren und ich klammere mich fast schon verzweifelt an den dünnen Metallbügel, den man mir über meine Beine gespannt hat. Neben mir sitzt mein Sohn, der aktuell noch nicht so genau weiß ob er das alles hier gut finden oder sich nicht lieber in die Hosen machen soll.

Ich wollte eigentlich in guter Blogger-Manier eine Kamera mitnehmen. Oder wenigstens die kleine Legria, die ich für meine VLOGs benutze. Im Nachhinein bin froh, dass ich es nicht getan habe, denn aktuell könnte ich den dünnen Metallbügel noch nicht einmal für ein kurzes Selfie loslassen. Mein Herz rast, als ob ich gerade einen Marathon gelaufen wäre und ich versuche krampfhaft nur auf diesen einen, kleinen Fixpunkt zu starren, den ich mir selbst direkt vor meinem Auge gesetzt habe. „Egal was passiert, Digger, schau nur nicht runter!“, versuche ich mich selbst ständig zu beruhigen, und sehe trotzdem aus dem Augenwinkel meine Frau, die 14 Meter unter uns versucht die Szenerie mit ihrem Handy festzuhalten.

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Verdammt, warum tue ich mir das an, frage ich mich, und kann mir doch postwendend die Antwort geben: Weil ich es versprochen habe! Meinem Sohn. Solche Versprechen bricht man nicht. No way. Da muss ich jetzt durch,und versuche daher es sportlich zu sehen, als der Betreiber des Fahrgeschäfts seine lockeren Sprüche auf uns los lässt. Naaaa, gehts Euch noch gut? Wollt ihr nochmal? Oooookaaaaayyyy, wir starten in die nächste Runde… Ich hasse ihn in diesem Moment ein wenig und während er laut Vollgaaaaaas brüllt ist der Inhalt meines Magens kurz davor, sich ebenfalls mit Vollgas über die Menschen auf dem Festplatz zu verteilen. Kann man bei dieser Geschwindigkeit überhaupt kotzen? Hat das schon mal jemand gemacht? Gibt es da Aufzeichnungen drüber? Falls ja, bitte mal melden, wir müssen reden.

Nachdem wir schier endlose Minuten später zur Landung angesetzt haben, fühlen sich meine Beine wie Gummi an. Ein Freund kommt mit einem Eimer auf mich zugelaufen; vorsichtshalber, falls ich mich doch noch übergeben muss. Mein Kreislauf ist im Keller, meine Gesichtsfarbe unnatürlich grün. Aber ich bin stolz es durchgezogen zu haben! Ich habe nicht gekniffen, ich habe mein Versprechen meinem Sohn gegenüber gehalten! Nur das zählt in diesem Augenblick. Cojones muy grandes, Baby, weißte?

Junior hatte im Endeffekt auch nicht so wirklich Spaß an der Fahrt. Noch während wir zum Ausgang laufen nimmt er meine Hand und sagt „Papa, das Ding fahren wir aber bitte nicht mehr.“ Ich schaue ihn an und sage „Versprochen Großer.“

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